Hurra – HOKA hat seine „Bergziege“, den wohl bekanntesten Trailschuh aus dem Hause HOKA, überarbeitet und bringt den Speedgoat nun in der 7. Generation auf den Markt.
Warum eigentlich „Bergziege“?
Der Schuh wurde nach einem der erfolgreichsten Trailläufer benannt: Karl Meltzer, Spitzname „Speedgoat“ (Bergziege), der sein Know-how in die Entwicklung des HOKA Speedgoat hat einfließen lassen.
Nach dem Speedgoat 5 und 6 darf ich nun den neuesten Vertreter unter die Lupe nehmen.
Die 5er- und, mit Abstrichen, auch die 6er-Reihe haben hinsichtlich Tragekomfort und Ausstattung bereits viele Pluspunkte gesammelt und sich damit eine große Fangemeinde bei Kurz- und Langstreckentrailläufern aufgebaut.
Was sich HOKA bei der siebten Version hat einfallen lassen und ob der Speedgoat 7 weiterhin in der ersten Liga mitspielt, verrät der folgende Testbericht.


Erste Eindrücke, Verarbeitung
Schnieke, wie man in Berlin sagt, sieht er auf jeden Fall aus.
Ein echter Hingucker – und natürlich gibt es ihn auch in „neutraleren“ Farbvarianten.
Verarbeitung und Design sind, wie man es von HOKA kennt, wieder top: keine Klebereste, keine unsauberen Nähte.
Auch wirkt der Speedgoat 7 bereits auf den ersten Blick bequemer und kompakter als seine Vorgänger.
Die wesentlichen Veränderungen stechen sofort ins Auge.


Wesentliche Neuerungen
Upper
Fangen wir beim Upper an: Dieses wurde komplett überarbeitet. Es ist nun robuster und bietet mehr Halt als bei den Vorgängermodellen. Gerade beim 6er gab es hier einige Kritikpunkte, derer sich HOKA angenommen hat.
Lasche/Zunge
Zu meiner Freude wurde die Lasche etwas verlängert, was das Anziehen und Positionieren der Schnürsenkel vereinfacht. Bei den Vorgängermodellen musste man darauf achten, dass die Schnürung nicht direkt auf den Spann drückt.
Auf eine dicke Polsterung wurde – wie bei den Vorgängern – bewusst verzichtet.
Zehenschutz
Auch hier hat HOKA nachgelegt: Der Zehenbereich ist nun breiter und stabiler und bietet damit mehr Schutz bei Steinkontakten.
Mittelsohle
Auch die Mittelsohle wurde überarbeitet. Die neue EVA-Sohle mit Super-Critical-Foaming-Technologie (SCF) verspricht eine reaktionsfreudigere Dämpfung und eine höhere Energierückgabe.
Außensohle
Die Stollen der altbewährten Vibram-Megagrip-Laufsohle wurden für noch mehr Grip im wechselhaften Terrain neu ausgerichtet.
Gamaschenhalter
Für Freunde sandiger oder gerölliger Untergründe hat der Speedgoat nun eine Öse zur Gamaschenmontage im hinteren Bereich erhalten.
(von links nach rechts: Speedgoat 7, Speedgoat 6, Speedgoat 5)


Technische Daten
Gewicht: ca. 275 g (Herren), ca. 235 g (Damen)
Sprengung: 5 mm (Vorfuß 35 mm, Ferse 40 mm)
Fußtyp: neutral
Passform: schmal geschnitten, auch in breiter Version erhältlich
Gelände: Schotter, Waldboden, alpines Terrain
Farbe: große Auswahl für jeden Geschmack
Preis: 165,00 € (UVP)
Funfact: Auf der Außensohle erkennt man nicht nur Herzen, sondern auch einen Ziegenkopf.


In der Praxis
Ich bleibe bei „reinschlüpfen, wohlfühlen, loslaufen“.
Ja, auch beim Speedgoat 7 funktioniert das.
Das Hineinschlüpfen wird durch die Einstiegshilfe an der Ferse erleichtert, und die Schnürsenkel lassen sich dank der längeren Zunge schneller und einfacher positionieren als bei den Vorgängern. Kurz zurechtzupfen – und schon ging es in Wald und Flur.
Die rund geformte und gut gepolsterte Fersenkappe sorgt für ein angenehmes Tragegefühl, ohne zu rutschen oder zu scheuern.
Für den nötigen Halt sorgt unter anderem die HOKA-eigene Zwischensohle: Der Fuß liegt förmlich in einer Wanne und wird dadurch stabilisiert. Positiv fällt auch der neue „superkritische EVA-Schaum“ auf, der mehr Energierückgabe bietet und sich reaktionsfreudiger anfühlt als bei den Vorgängermodellen.
Die Dämpfung ist auf langen Läufen und insbesondere bergab deutlich spürbar. Auch auf festem Untergrund absorbiert der Speedgoat 7 Stöße hervorragend, sodass selbst Asphaltpassagen nicht unangenehm sind.
Obwohl das Obermaterial aus RPET-Gewebe auf den ersten Blick sehr robust wirkt, fühlt es sich in der Praxis leicht und flexibel an. Der Fuß wird angenehm eng umschlossen, ohne Druckstellen zu verursachen. Neu ist zudem die zusätzliche Verstärkung im Mittelfußbereich, die bei Up- und Downhills mehr Halt gibt.
Erwähnenswert ist außerdem, dass der Mittelfußbereich zwar weiterhin tailliert, aber deutlich breiter als bei den Vorgängermodellen geschnitten ist.
Die neue, steifere Zehenkappe fand mein großer Zeh bei längeren Downhills zunächst weniger angenehm. Zugegeben: Vielleicht hätte ich den Schuh nicht direkt auf einer langen Runde testen und meine Nägel vorher kürzen sollen – Anfängerfehler. Eventuell hätte auch eine halbe Nummer größer geholfen, da der 7er meiner Einschätzung nach etwas kleiner ausfällt.
Aber genug der Kritik: Der Schuh ist insgesamt klasse. Dank der breiten Vibram-Megagrip-Sohle und der neu angeordneten 5-mm-Stollen bietet er hervorragenden Grip auf naturbelassenen Wegen – gerade bei Abstiegen ein echter Pluspunkt. Dazu tragen auch die „Traction Lugs“ bei, kleine seitliche Noppen an den Stollen, die laut Hersteller bis zu 25 % mehr Traktion bieten sollen.
Im Test überzeugte der Speedgoat 7 sowohl auf trockenem als auch auf nassem Untergrund mit Felsen und Wurzeln. Auch Asphaltstrecken sind problemlos machbar.
Das Laufgefühl ist angenehm, und der im Vergleich zum Speedgoat 6 etwas agilere Rocker sorgt für zusätzlichen Vortrieb. Eine echte „Rennsemmel“ ist der Speedgoat 7 zwar nicht, seine Stärken spielt er jedoch vor allem auf langen Distanzen aus.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Bereits nach etwa 30 Kilometern lösten sich leicht die Mesh-Beschichtung sowie die Klebung des Zehenschutzes an einer seitlichen Knickstelle im Vorfußbereich. Diese Problematik ist HOKA bereits bekannt und wird voraussichtlich schnell behoben. In der Praxis beeinträchtigt dieser kleine Schönheitsfehler die Funktion jedoch kaum.


Fazit
Mit dem Speedgoat 7 ist HOKA wieder auf dem richtigen Weg. Die Schwächen des 6ers wurden beseitigt, und insgesamt ist spürbar mehr Entwicklungsarbeit in die neue Version geflossen. Wer den Speedgoat 5 mochte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Der Speedgoat 7 ist ein echter Allrounder für kurze und lange Trailläufe bis hin zum Ultra und eignet sich sogar für leichte Wanderungen. Die breite Außensohle sorgt für Stabilität und ausreichend Grip.
Er ist ein komfortabler, gut sitzender Schuh mit viel Grundstabilität, auf den man sich in nahezu jedem Terrain verlassen kann.
Vergleichbar ist er mit dem Nike Zegama und dem Brooks Catamount.
Und das sagt Daan Glorie, Produktexperte, zum neuen Speedgoat 7:
„Die Stärke des Speedgoat 7 von HOKA liegt darin, dass man ihn für alles verwenden kann. Er eignet sich für tägliches Training, schnelle Trailläufe und sogar Wettkämpfe – dank seines geringen Gewichts und seiner stabilen Eigenschaften.“
Für kürzere Wettkämpfe gibt es jedoch schnellere und agilere Modelle – bei HOKA beispielsweise den Rocket X Trail.