Die Marathonsaison 2026 steht vor der Tür. Während der Startplatz gebucht ist, das Training hoffentlich in den Beinen steckt und die Vorfreude auf den Race Day steigt, stellt sich die alles entscheidende Frage: Welches „Werkzeug“ darf am Tag X mit an die Startlinie?
Die Auswahl an Carbon-Schuhen war noch nie so spannend – gleichzeitig aber auch so unübersichtlich wie heute. Unzählige Marken haben inzwischen konkurrenzfähige Modelle auf den Markt gebracht. Die Qual der Wahl also!
Und wir alle wissen, wie viel Aufwand und Zeit in die Vorbereitung auf den großen Tag fließen. Deshalb überlassen wir nichts dem Zufall und wollen natürlich jede Sekunde herausholen – vor allem, wenn man diese mit klugen Entscheidungen und nicht nur mit Blut, Schweiß und Tränen gewinnen kann.
Zwischen radikaler Gewichtsminimierung, technischer Evolution und „Real-World“-Stabilität müssen wir uns also entscheiden. Hier ist der ultimative Vergleich der drei Schwergewichte: Nike Vaporfly 4, Adidas Adizero Adios Pro 4 und Saucony Endorphin Pro 5.
1. Nike Vaporfly 4: Der Chirurg unter den Racern
Nike geht mit dem Vaporfly 4 einen mutigen Schritt zurück zu den Wurzeln. Während der Trend zu immer massiveren Sohlen geht, ist dieser Schuh radikal abgespeckt, flacher und mit ca. 169 g ein echtes Fliegengewicht.
Er ist das Modell, mit dem alles begann – und an dessen Aufbau sich viele heutige Carbon-Schuhe orientieren.
Das Gefühl
Agil, direkt und gnadenlos effizient. Er wird oft als „der Chirurg“ bezeichnet, weil er Präzision verlangt.
Technik
Eine neue, reaktionsfreudigere ZoomX-Mischung und eine steilere Krümmung der Carbonplatte sorgen für einen aggressiven „Snap“ beim Abdruck.
Für wen geeignet?
Für Puristen, die ein direktes Bodenfeedback lieben und über eine saubere Lauftechnik verfügen. Besonders stark ist er auf kurvigen Strecken und bei Tempowechseln.
Mein Eindruck
Ein superagiler, leichter und extrem schneller Schuh. Hier spürt man sofort, dass es schnell wird – und stylisch sieht er dabei auch noch aus.
Allerdings bietet der Schuh wenig Stabilität und Sicherheit. Für Anfänger oder Läufer, die mehr Schaum und „Bounce“ bevorzugen, ist er eher nicht geeignet.


2. Saucony Endorphin Pro 5: Die Allzweckwaffe für jedermann
Saucony verfolgt das Motto „Speed for the real world“. Der Endorphin Pro 5 ist die Antwort für alle, die Höchstleistung suchen, aber nicht auf Stabilität verzichten wollen – besonders dann, wenn die Beine bei Kilometer 35 schwer werden.
Er bringt etwas mehr Material und damit auch mehr Gewicht mit, ist dadurch aber stabiler und weniger aggressiv abgestimmt.
Das Gefühl
Ein „snappiger“ Abdruck kombiniert mit einer Stabilität, die ihresgleichen sucht. Die breite Sohle und das großzügige Fußbett sorgen für geringe Reibung und viel Kontrolle.
Technik
Ein Dual-Density-System aus PWRRUN HG- und PB-Schaum liefert starken Bounce, während die neue geschlitzte Carbonplatte das Abrollverhalten natürlicher wirken lässt.
Eine clevere Innovation also, die Sicherheit und Geschwindigkeit verbindet, ohne das natürliche Laufgefühl zu verlieren. Die durchgängige Sohle ohne größere Aussparungen trägt zusätzlich dazu bei.
Für wen geeignet?
Für Läufer, die Effizienz mit Komfort kombinieren möchten oder deren Laufstil gegen Ende des Marathons etwas unsauber wird.
Außerdem eignet er sich hervorragend für Läuferinnen und Läufer mit breiteren Füßen oder als Einstiegs-Carbon-Schuh.
Mein Eindruck
Schnell, komfortabel und stabil. Vor allem die breite Sohle sorgt für eine angenehme Fußführung, die vielen Carbon-Schuhen fehlt.
Meine Empfehlung für alle, die sich bisher noch nicht an Carbon herangetraut haben oder Angst haben, nicht die nötige muskuläre Power für einen solchen Schuh mitzubringen: Traut euch!


3. Adidas Adizero Adios Pro 4: Die Evolutions-Rakete
Adidas liefert mit dem Pro 4 ein technisch verfeinertes Kraftpaket, das kompromisslos auf Geschwindigkeit optimiert ist.
Besonders auffällig sind das leichte Obermaterial und die angenehme Weichheit bei der Landung, durch die man die Carbonplatte erst im Abdruck richtig wahrnimmt.
Auch optisch ist der Schuh eine echte Augenweide – vor allem in den verschiedenen Colorways. Schaut euch unbedingt mal die neue „Road to Records“-Edition an!
Das Gefühl
Eine leichte, direkte „Rakete“ am Fuß. Durch den schmaleren Schnitt im Mittelfuß zwingt er den Läufer dazu, aktiv im Fußgewölbe zu bleiben.
Die Seitenstabilität ist eher gering, reicht aber auch für kurvige Strecken aus. Im Vergleich zum Nike bietet der Adidas jedoch etwas mehr Aufbau und Dämpfung.
Technik
Die bewährten EnergyRods 2.0 unterstützen die Abrollbewegung, während das neue Rocker-Design den Läufer früher nach vorne schiebt.
Für wen geeignet?
Für ambitionierte Wettkampfläufer mit eher neutralem, schmalem Fuß, die ein reaktionsfreudiges Modell für neue Bestzeiten suchen und sich nicht an einem höheren Aufbau stören.
Mein Eindruck
Ein extrem schneller Schuh und für mich der perfekte Kompromiss aus Nike und Saucony.
Leichtigkeit trifft auf Dämpfung, bleibt dabei aber aggressiv und drängt konstant nach vorne. Die Abrollbewegung fühlt sich sehr natürlich und dynamisch an – optisch definitiv ebenfalls ein Highlight.


Der direkte Vergleich auf einen Blick
|
Eigenschaft |
Nike Vaporfly 4 |
Saucony Endorphin Pro 5 |
Adidas Adizero Adios Pro 4 |
|
Gewicht |
ca. 169 g |
ca. 210 g |
ca. 200 g |
|
Sprengung |
6 mm |
8 mm |
6 mm |
|
Fokus |
Aggressivität & Leichtigkeit |
Stabilität & Speed |
Antrieb & Evolution |
|
UVP |
260 € |
270 € |
249,99 € |
Welchen Schuh solltest du wählen?
Die Entscheidung hängt stark von deinem Laufstil und deinen persönlichen Vorlieben ab. Inzwischen gibt es nicht mehr DEN einen Carbon-Schuh, den du unbedingt besitzen oder laufen musst.
Die Unterschiede sind oft kleiner, als viele denken. Letztendlich kommt es darauf an, womit du dich am wohlsten fühlst. Denn am Ende macht vor allem dein Kopf den Unterschied – besonders bei einem so intensiven und langen Rennen wie dem Marathon.
Du willst das absolute Minimum am Fuß?
Dann greif zum Nike Vaporfly 4. Er ist ein Statement gegen den Trend „höher, breiter, weicher“ und perfekt für Bestzeitenjäger, die ein direktes Laufgefühl suchen.
Du suchst Sicherheit und Grip – auch bei Regen?
Dann ist der Saucony Endorphin Pro 5 die beste Wahl. Er verzeiht am meisten und bietet dank der PWRTRAC-Außensohle exzellenten Halt auf nassem Asphalt.
Du liebst aggressiven Vortrieb und hast eher schmale Füße?
Dann passt der Adidas Adizero Adios Pro 4 perfekt zu dir. Sein Rocker-Design schiebt dich förmlich nach vorne, verlangt aber eine stabile Fußarbeit.
Egal, für welche „Waffe“ du dich entscheidest: Das Wichtigste ist, dass du dich im Schuh wohlfühlst, wenn der Startschuss fällt.
Also hör auf dein Bauchgefühl, überlasse nichts dem Zufall – und viel Spaß beim Race Day!